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David J. Peterson: Der Linguist, der Dothraki erschuf

6 min read1150 WörterVon Tengwar Editorial

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David J. Peterson: Der Linguist, der Dothraki erschuf

Kurzantwort: David J. Peterson (geb. 1981) ist der amerikanische Linguist, der Dothraki für HBOs Game of Thrones (2009) entwickelte, ebenso High Valyrian für dieselbe Serie (2011), Trigedasleng für The 100 (2014) und mehrere weitere Kunstsprachen für Produktionen. Er hat Linguistik-Abschlüsse von der UC Berkeley und der UC San Diego und ist Autor von Living Language Dothraki (2014). Den Dothraki-Wettbewerb von HBO gewann er über die Language Creation Society. Heute ist er der produktivste aktive Conlanger im Bereich Film und Fernsehen.

2009 brauchte HBO eine Sprache für die Pferdeherren aus Game of Thrones. George R.R. Martin hatte Dothraki in seinen Büchern nur mit einer Handvoll Phrasen versehen — kein System, nur Atmosphäre. Die Produktionsfirma wandte sich an die Language Creation Society, die einen offenen Wettbewerb für Linguisten ausschrieb, um Dothraki vollständig auszuarbeiten. David J. Peterson gewann.

Was folgte, war eines der meistgefeierten Beispiele für Sprachenerschaffung in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie.

Die Bewerbung

Peterson reichte einen umfassenden Vorschlag ein — nicht nur Vokabular, sondern ein grammatisches System, phonologische Regeln und Beispieltexte. Er erklärte seine Design-Philosophie, zeigte, wie die Sprache aus dem kleinen Samen der bereits von Martin veröffentlichten Wörter wachsen würde, und bewies, dass er nicht nur Linguistik, sondern auch Storytelling verstand.

Die Language Creation Society erhielt rund 30 Bewerbungen. Petersons gründliche Vorbereitung und sein klares Denken über die Beziehung zwischen Kultur und Sprache hoben ihn von den anderen ab. Er wurde 2009 engagiert und lieferte eine vollständige Dothraki-Sprache, bevor die erste Episode ausgestrahlt wurde.

Die Design-Philosophie

Petersons Herangehensweise an Dothraki basierte auf drei Prinzipien:

1. George R.R. Martins ursprüngliche Wörter respektieren. Die Bücher enthielten Phrasen wie m'athchomaroon und fonas chek — Peterson musste eine Grammatik entwerfen, die diese Phrasen grammatisch stimmig machte, indem er von vorhandenen Daten aus rückwärts arbeitete, statt frei von Grund auf zu erfinden.

2. Die Dothraki-Kultur widerspiegeln. Peterson recherchierte intensiv zu nomadischen Kriegerkulturen — Mongolen, Hunnen, Völker der Plains First Nations —, um zu verstehen, welche sprachlichen Merkmale aus einer solchen Lebensweise entstehen könnten. Dothrakis reicher Pferdewortschatz, seine kriegerorientierten Verben und seine Belebtheitsunterscheidungen spiegeln diese Recherche wider.

3. Sie lernbar machen. Peterson wollte, dass Dothraki etwas ist, das Fans tatsächlich studieren und benutzen können. Er veröffentlichte 2014 sein Buch The Language of the Dothraki und unterstützt die Lerncommunity aktiv.

Die Sprache selbst: Linguistische Entscheidungen

Mehrere von Petersons Entscheidungen offenbaren seine linguistische Raffinesse:

Belebtheit — Dothraki unterscheidet grammatisch zwischen belebten und unbelebten Substantiven. Pferde, Menschen und Lebewesen folgen anderen Mustern als Gegenstände. Das ist nicht willkürlich — es spiegelt eine Kultur wider, in der Lebewesen (insbesondere Pferde) einen anderen moralischen und praktischen Status haben als Dinge.

Phonologie — Peterson wählte Laute, die sich beim Sprechen durch Schauspieler intensiv und ausdrucksstark anfühlen sollten, aber nicht unmöglich zu erlernen sein durften. Die Laute kh und zh sorgen für Exotik, ohne die extreme Artikulation zu verlangen, die Klingon fordert.

Verbaspekt — Peterson baute auf grammatischer Ebene eine Unterscheidung zwischen abgeschlossenen und andauernden Handlungen ein und schuf so eine Sprache, in der wie eine Handlung geschieht ebenso wichtig ist wie was die Handlung ist. Das passt zu einer Kriegerkultur, in der die Unterscheidung zwischen entschlossener Tat (abgeschlossen) und andauerndem Kampf enorm wichtig ist.

Über Dothraki hinaus: Eine Karriere in Kunstsprachen

Peterson schuf im weiteren Verlauf weitere Sprachen für Game of Thrones (High Valyrian, Low Valyrian, Astapori Valyrian) sowie Kunstsprachen für The 100, Defiance, Thor: The Dark World, Penny Dreadful und viele weitere Produktionen.

Er schrieb außerdem The Art of Language Invention (2015), den maßgeblichen populären Leitfaden zur Erschaffung von Kunstsprachen. Das Buch behandelt Phonologie, Grammatikdesign, Schriftsysteme und die Beziehung zwischen Kultur und Sprache — basierend auf seiner beruflichen Erfahrung.

Petersons Einfluss auf die Conlang-Kultur

Wie schon Marc Okrand mit Klingon zeigte Peterson, dass fiktive Sprachen eine ernsthafte linguistische Behandlung verdienen. Seine Arbeit hob die Messlatte dafür, was Produktionen der Unterhaltungsindustrie von Sprachdesign erwarten sollten.

Er war zudem Mentor für angehende Conlang-Schöpfer, indem er durch sein Buch, Online-Inhalte und Community-Engagement lehrte. Die Language Creation Society ist erheblich gewachsen, seit Game of Thrones die Idee popularisierte, dass Kunstsprachen es wert sind, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Entdecke Dothraki — und die anderen Sprachen, die Peterson mit inspiriert hat — auf learningelvish.com.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Sprachen hat David J. Peterson erschaffen? Über 50 Sprachen insgesamt im Laufe seiner Karriere, davon mindestens 12 in großen Film-/TV-Produktionen: Dothraki, High Valyrian, Astapori Valyrian, Meereenese Valyrian und Old Ghiscari (alle Game of Thrones); Trigedasleng und Sangedakru (The 100); Castithan und Irathient (Defiance); Mörnisilmâlmá (Bright); Lumian (Halo TV series); sowie die Atlantean-Wiederbelebungsarbeit, die er für Marc Okrands Lektionen leistete. Er hat auch mehrere Kunstsprachen für Indie- und Tabletop-Projekte verfasst.

Arbeitet Peterson auch nach dem Serienende noch an Dothraki? Ja. Die Weiterentwicklung von Dothraki geht durch House of the Dragon weiter (wo die Sprache gelegentlich vorkommt) sowie durch Petersons eigene Veröffentlichungen. Living Language Dothraki (2014) bleibt das kanonische Lehrbuch. Er pflegt die Sprache und genehmigt von der Community beigetragene Erweiterungen über die Kuratoren von wiki.dothraki.org.

Was ist Petersons berühmtestes Zitat zum Thema Conlanging? "A language is not a vocabulary list. A language is a way of thinking." Er hat diesen Punkt wiederholt betont — dass eine fiktive Sprache erst dann echt wirkt, wenn sie kulturelle Psychologie in grammatischer Struktur kodiert, statt nur Wörter zu erfinden. Sein Dothraki-Gruß "Reitest du gut?" ist das Paradebeispiel für dieses Prinzip.

Kannte Peterson Tolkiens Sprachen, bevor er anfing? Ja — sehr genau sogar. Er hat in Interviews über Tolkien als prägenden Einfluss gesprochen, insbesondere über Tolkiens Prinzip, dass Kunstsprachen "durch ihre Kultur entdeckt" statt "für Nützlichkeit entworfen" werden sollten. Peterson studierte Quenya und Sindarin bereits als Teenager. Dieser Einfluss zeigt sich in Dothrakis kulturorientierter Design-Philosophie.

Was macht Peterson neben dem Conlanging? Er ist außerdem ein veröffentlichter Sachbuchautor (The Art of Language Invention, 2015, war in seiner Kategorie ein New-York-Times-Bestseller) und betreibt einen YouTube-Kanal, auf dem er über Sprachdesign spricht und Fanfragen beantwortet. Er war zudem für mehrere Filmproduktionen als Berater für linguistische Ethik tätig, auch bei solchen, für die er keine eigenen Sprachen erschaffen hat.

Ist Peterson der beste Conlanger der Gegenwart? Am produktivsten mit Sicherheit. Ob er der "beste" ist, ist Geschmackssache. Marc Okrand (Klingon, Atlantean) gilt weithin als Schöpfer der tiefgründigsten einzelnen Sprache. Tolkien bleibt der historische Maßstab für poetische Kunstsprachen. Petersons Stärke ist die Bandbreite — er hat mehr nutzbare Sprachen über mehr Medien hinweg geschaffen als jeder andere derzeit aktive Conlanger.

Weiterführende Lektüre


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HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN

Wer hat die Dothraki-Sprache erschaffen?

David J. Peterson, ein amerikanischer Linguist und Sprachenerfinder, schuf Dothraki für HBOs Game of Thrones. Er wurde 2009 durch ein Bewerbungsverfahren der Language Creation Society ausgewählt.

Welche anderen Sprachen hat David J. Peterson erschaffen?

Peterson hat Dutzende von Sprachen geschaffen, darunter High Valyrian und Low Valyrian für Game of Thrones, Trigedasleng für The 100, Castithan und Irathient für Defiance und viele weitere für TV- und Filmproduktionen.